Women Wage Peace

Storytelling – Leticia Dubcovsky (Uruguay) – Deutsch

Leticia Dubcovsky, M.Ed. — Montevideo, Uruguay.

Psychopädagogin, Master in Pädagogik, Mutter, Mitglied von «Mujeres Activan por la Paz Uruguay» – MAPU (Frauen engagieren sich für den Frieden in Uruguay).

Es ist Samstag, der 22. Februar 2025. In Uruguay ist es neun Uhr morgens, und ich sitze an meinem Computer, in einem Zoomgespräch mit vier anderen Frauen. Zwei von ihnen befinden sich in Argentinien, in meiner Zeitzone. Die anderen beiden sind im Westjordanland, dort ist es drei Uhr nachmittags.

Zwei Tage zuvor hatte die Hamas die Leichen von Shiri Bibas und ihren kleinen Söhnen Ariel und Kfir an Israel übergeben. Sie waren am 7. Oktober 2023 lebend entführt worden. Die Leiche, die sie als die von Shiri übergaben, war nicht ihre: Sie gehörte einer Frau aus Gaza. Die sterblichen Überreste von Shiri trafen einen Tag später ein. Zwei Leichen, zwei Frauen, eine Israelin und eine Palästinenserin, die mit derselben Verachtung behandelt wurden.

Es waren Tage tiefer Trauer, gefolgt von Empörung, Abscheu und Hilflosigkeit. Ich kam zu diesem Gespräch, während all das noch frisch war. Und mit einem Bedürfnis, das mir immer noch schwerfällt zu benennen: Ich wollte von der anderen Seite ein Wort hören, das die Trauer anerkennt, die wir durchlebten, als wir zusehen mussten, wie drei Särge zurückkamen statt drei lebender Menschen. Ich brauchte das, um eine Brücke des Vertrauens zu bauen. Ich rufe zum Frieden auf, aber ich bin voller Widersprüche.

Dieses Zoom Gespräch war ein Neubeginn. Eine Vertreterin von Women of the Sun und zwei Frauen von Women Wage Peace kamen nach Uruguay. Doch eigentlich hat unsere Geschichte schon lange vorher begonnen.

Nach dem 7. Oktober trafen sich einige von uns jüdischen Frauen spontan in Montevideo, um uns gegenseitig beizustehen. Im November 2023 schrieben wir aus dem Kulturhaus «Mordejai Anilevich», dass wir uns zum ersten Male allein fühlten. Alleingelassen gegenüber Freunden, die nie fragten, ob unsere Familien in Israel noch am Leben oder schon tot seien, oder die uns, bevor sie fragten: «Und dir, wie geht es dir?», zuerst mal erklären mussten, was sie über die besetzten Gebiete dachten. Alleingelassen gegenüber feministischen und Menschenrechtsgruppen, in denen wir aktiv gewesen waren und die unsere Nachrichten nie beantworteten. Alleingelassen auch gegenüber der kriegstreiberischen Rhetorik der israelischen Regierung und gegenüber Stimmen in unserer eigenen Gemeinschaft, die alles zu stark vereinfachten.

Aus dieser Einsamkeit entstand noch etwas anderes. Wir fanden ein Zuhause bei WWP und WOS und deren Bündnis, wo israelische und palästinensische Frauen, die schon lange vor diesem Krieg zusammengearbeitet hatten und verlangen, dass Frauen einen Platz am Verhandlungstisch erhalten. Im Januar und Februar 2024 trafen wir uns mit argentinischen Frauen, um von ihren Erfahrungen zu lernen und die uruguayische Sektion zu gründen. Unsere erste Aktion bestand darin, uns über Zoom zu versammeln und israelischen Aktivistinnen zuzuhören. Für den 8. März verfassten wir eine Erklärung, und mehr als fünfzig Frauen – jüdische und nichtjüdische – marschierten gemeinsam. Wir marschierten für die Frauen, die am 7. Oktober ermordet, vergewaltigt und entführt wurden, und forderten ein Ende der Bombardierungen und Vertreibungen im Gazastreifen.

So habe ich gelernt, dass Frieden vor allem Arbeit ist. Es bedeutet, gemeinsam Geld aufzutreiben, um die Journalistin Hinde Pomeraniec aus Argentinien nach Uruguay zu holen und sie mit Redaktoren der wichtigsten Medien des Landes an einen Tisch zu bringen. Es bedeutet, um Treffen mit Gesetzgebern, Feministinnen und Menschenrechtsorganisationen zu bitten, und alles immer wieder von Neuem zu erklären. Am 10. September 2024 stellten wir in einem Saal des uruguayischen Parlaments vor rund zweihundert Frauen und in Anwesenheit aller Vizepräsidentschaftskandidatinnen WWP und WOS und unsere Arbeit in Uruguay vor. Sieben Frauen aus verschiedenen Parteien und Religionen lasen gemeinsam den «Mothers’ Call» vor. Wir waren unterschiedlicher Meinung, aber wir haben einander verstanden, und wir konnten einander in die Augen schauen. Wenn die Frauen dort miteinander reden können, wie könnten wir dann hier nicht miteinander reden?

Fast sechs Monate nach jenem Zoom-Anruf haben wir es dank der logistischen und finanziellen Unterstützung sowie der vielen Arbeitsstunden der fast 150 Frauen, aus denen sich MAPU zusammensetzt, geschafft. Reem, Hyam und Angela sprachen über ihre Gefühle, ihre Herausforderungen und ihren Einsatz für einen dauerhaften Frieden ohne weiteres Blutvergiessen. Sie trafen sich mit Präsident Yamandú Orsi, mit der amtierenden Vizepräsidentin Blanca Rodríguez und mit der ehemaligen Vizepräsidentin Lucía Topolansky. Mehr als 700 Menschen hörten ihnen im «Salón de los Pasos Perdidos» des Legislativpalastes zu. Palästinensische und israelische Frauen umarmten sich in Montevideo.

Heute, drei Jahre nach dem 7. Oktober, habe ich meine Widersprüche immer noch nicht gelöst. An jenem Samstag brauchte ich jemanden, der meiner Trauer einen Namen gab, und ich stand Frauen gegenüber, die ihre eigene Trauer trugen. Was ich von ihnen gelernt habe, ist, dass Frieden nicht darauf wartet, dass der Schmerz nachlässt. Frieden entsteht, indem man dem Schmerz ins Auge sieht – dem eigenen und dem der anderen – und sich weigert zu akzeptieren, dass Gewalt das Schicksal unserer Töchter und Söhne ist.

 

La paz será o no seremos. Es wird Frieden geben, oder wir werden nicht sein.

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